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Neue Methode zeigt Risiko für Augenschäden bei Diabetikern

Ärzte des Universitätsklinikums Jena entwickeln Methode zur Früherkennung diabetischer Retinopathie

Jena. Augenschäden gehören zu den Folgeerkrankungen bei Diabetes. Wenn die Glukose im Blut über Jahre deutlich erhöht ist, können Schädigungen der Kapillargefäße und Nerven am Auge eintreten. Unter den Teilnehmern des Diabetes-TÜV der Deutschen BKK entwickeln ca. 15 Prozent der Diabetespatienten im Laufe ihrer Erkrankung eine diabetische Augenschädigung. Die schleichend auftretenden Schäden an der Netzhaut werden vom Patienten selbst erst bemerkt, wenn das Sehen schon deutlich geschädigt ist. Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen ist daher entscheidend für Diabetespatienten.

Ärzte des Jenaer Universitätsklinikums haben jetzt einen Weg gefunden, gefährdete Patienten zu einem sehr viel früheren Zeitpunkt zu erkennen, als es mit der üblichen augenärztlichen Untersuchung der Netzhaut möglich ist. Gemeinsam mit den Augenärzten des Uniklinikums und unterstützt von einem Jenaer Unternehmen haben die Diabetologen in einer Studie mit 300 Patienten herausgefunden, das ein in Jena entwickeltes spezielles Verfahren der retinalen Gefäßanalyse schon Vorstufen der Gefäßschädigungen sichtbar werden lässt, die mit großer Wahrscheinlichkeit die Entwicklung späterer Augenschäden ankündigen. Die Ergebnisse der Studie veröffentlichen die Jenaer jetzt in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift der Amerikanischen Diabetesgesellschaft, "Diabetes Care".

Darin belegt Dr. Alexandra Mandecka, die mit dieser Studie promoviert, gemeinsam mit dem Augenarzt Dr. Jens Dawczynski und dem betreuende Diabetologen Prof. Dr. Ulrich Müller, dass es einen Zusammenhang zwischen der Beweglichkeit der Blutgefäße am Augenhintergrund und der Diabetesbedingten Retinopathie gibt. Dazu wurden die feinen Blutgefäße im Auge durch ein Spezialgerät Flickerlicht ausgesetzt. Aus den so provozierten Reaktionen der Blutgefäße (schnell oder verlangsamt) in Verbindung mit klassischen Augenuntersuchungen haben die Ärzte Rückschlüsse auf den Zusammenhang zwischen den Gefäßreaktionen und Augenschäden durch Blutzucker ziehen können.

"Das Auge ist das einzige Organ, bei dem wir von außen Gefäße beobachten können", erklärt Prof. Dr. Ulrich Müller, Diabetologe und Betreuer der Studie. Für die Patienten ist die Untersuchung völlig unkompliziert und nichtinvasiv. Eingesetzt wird ein von der Jenaer Firma Imedos, einer Ausgründung aus dem Universitätsklinikum, entwickeltes Gerät. Das setzt die Netzhaut des Auges für 10 Sekunden einem schnellen Flickerlicht aus. Gleichzeitig wird in kurzen Abständen ein bestimmtes Gefäßsegment gemssen und der Augenhintergrund fotografiert. "Mit dieser dynamischen retinalen Gefäßanalyse messen wir jetzt eine Funktion, und nicht erst eingetretene Gewebezersötrungen", erklärt Müller die Vorteile der Methode. "Das ermöglicht eine echte Früherkennung - noch bevor das Auge überhaupt geschädigt ist."

Untersucht wurden sowohl Diabetespatienten mit und ohne Retinopathie als auch Gesunde. Bei allen Patienten mit Retinopathie lagen Veränderungen in der Gefäßreaktion vor. "Das Entscheidende ist jedoch: Bereits bei Diabeteserkrankten ohne nachweisbare Augenprobleme ist eine gestörte Gefäßreaktion zu beobachten", betont Augenarzt Dr. Jens Dawczynski. "Diese Patienten müssen wir nun als eine Risikogruppe einstufen, die eine Retinopathie entwickeln könnte".

Bestätigt sich dieser Zusammenhang, sind künftig Aussagen über das Risiko von Augenschäden durch Diabetes bereits 5 bis 10 Jahre früher als bisher möglich. "Dann könnten wir viele Augenerkrankungen verhindern", glaubt Prof. Dr. Ulrich Müller. "Die Gefäßreaktion ist ein Warnsignal, das sich gut überprüfen lässt. Sehen wir diese Vorstufen, steuern wir mit besserer Blutzucker- und Blutdruckeinstellung gegen", so Müller. "Auch Unterschiede der schützenden Wirkung verschiedener Blutdruck- oder Diabetesmedikamente können wir so an der Netzhaut sehr zeitig feststellen."

Um dies weiter zu untersuchen, und die Aussagekraft des neuen Verfahrens für das Risiko einer diabetesbedingten Retinopathie zu belegen, werden die Jenaer jetzt in einer folgenden Langzeitstudie 1000 Patienten über 10 Jahre untersuchen. Zudem erhoffen sich die Forscher durch diese dynamische retinale Gefäßanalyse auch Aussagen über Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und der Nieren. "Wir werden in den kommende Jahren untersuchen, inwieweit wir aus der Gefäßreaktion am Auge auch Informationen über das Risiko anderer Folgeerkrankungen des Diabetes gewinnen können", so Müller.

Originalstudie:
Mandecka A, Dawczynski J, Blum M, Dnutr NM, Kloos C, Wolf G, Vilser W, Hoyer H, Müller UA. "Influence of flickering light on the retinal vessels in diabetic patients"
Diabetes Care, 2007 Aug 29, early online version

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulrich A. Müller
Alexandra Mandecka
Funktionsbereich für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 34843
E-Mail: Ulrich.Mueller[at]med.uni-jena.de
E-Mail: Alexandra.Mandecka[at]med.uni-jena.de

Oberarzt Dr. Jens Dawczynski
Augenklinik, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/ 9 33265
E-Mail: Jens.Dawczynski[at]med.uni-jena.de
Weitere Informationen:


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