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Vorsorge auf der Schmalspur

Augenärzte kritisieren den Beschluss des Gemeinsamen
Bundesausschusses (G-BA) zur Früherkennungsuntersuchung U7a. Der 1.
Vorsitzende des Berufsverbands der Augenärzte (BVA), Prof. Dr. Bernd
Bertram, beklagt eine weitere verpasste Chance, endlich ein flächendeckendes
Amblyopie-Screening einzuführen.


„Ohne eine eingehende augenärztliche Untersuchung im Alter von circa drei Jahren
besteht die Gefahr, dass behandlungsbedürftige Kinder zu spät erkannt werden und
deshalb nie ihre volle Sehkraft erlangen werden“, kritisiert Prof. Bertram den G-BABeschluss.
Das Sehvermögen entwickelt sich innerhalb der ersten Lebensjahre.
Wenn in diesem Zeitfenster, der „sensitiven Phase“, der komplexe Lernprozess des
Sehens nicht richtig abläuft, kann eine später nicht mehr zu korrigierende
Sehschwäche (Amblyopie) entstehen.


Augenärzte und Kinderärzte ziehen hier an einem Strang: Gemeinsam fordern sie
seit Jahren ein flächendeckendes augenärztliches Amblyopie-Screening. Jetzt wurde
vom G-BA eine neue Kinder-Vorsorgeuntersuchung U7a eingeführt. Mit dieser neuen
U7a, die politisch zur Aufdeckung von verwahrlosten Kindern und zur Einflussnahme
der Pädiater auf deren soziales Umfeld geplant war, ist jetzt auch ein Sehscreening
abrechenbar, allerdings nur von Kinderärzten und Hausärzten. Auch die Kinderärzte
kritisieren dies als „Vorsorge light“.


Die U7a im Alter von 34. bis 36. Monaten umfasst eine grobe Untersuchung des
Sehvermögens mit nur wenigen einfachen Tests. Die Behauptung des G-BA „die U7a
dient dabei unter anderem der möglichst frühzeitigen Erkennung von Sehstörungen
beziehungsweise deren Risikofaktoren“ ist fragwürdig. Wichtige eine Amblyopie
verursachende Faktoren wie beispielsweise eine Anisometropie – ein Unterschied in
der Brechkraft beider Augen – können nur durch eine augenärztliche Untersuchung
zuverlässig aufgedeckt werden. „Die U7a in ihrer jetzigen Form ist keine echte
Prävention“, stellt der BVA-Vorsitzende Bertram klar, „denn sie erfasst nur einen Teil
der Amblyopien“.


Mit der Einführung der U7a hat der G-BA sich über die an sich skandalöse
Entscheidung des IQWIG hinweggesetzt, das einem Sehscreening von Kindern vor
der Einschulung und einer Amblyopiebehandlung in diesem Alter jeglichen Sinn
abgesprochen hat. Damit hat der G-BA aus Kostengründen den gemeinsam von den
Berufsverbänden der Augenärzte (BVA) und der Kinder- und Jugendärzte (BVKJD)
gestellten Antrag für die Einführung eines qualitativ hochwertigen augenärztlichen
Sehscreening in die GKV abgelehnt, sich rechtzeitig vor dem Wahljahr der
Verantwortung für das Unterlassen einer Vorsorgeuntersuchung der Kinder zur
Vermeidung von Sehschwächen entledigt und diese Verantwortung den Kinder- und
Hausärzten aufgeladen.



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