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Sehen im Alter – mit richtiger Brille geht es besser

Mit dem Ziel, Erkenntnisse über das Sehvermögen von Bewohnern in Senioreneinrichtungen in Unterfranken zu gewinnen, hatte die Blinden- institutsstiftung zusammen mit dem Caritasverband für die Diözese Würzburg e. V. vor drei Jahren das Modellprojekt „Sehen im Alter“ initiiert. Rund 600 Seniorinnen und Senioren in 20 Caritas-Einrichtungen nahmen daran teil. Die Ergebnisse der augenoptischen, orthoptischen und augenärztlichen Untersuchungen von 203 Bewohnern wertete die Universitäts-Augenklinik Würzburg in einer Studie aus. Bei der Ab-schlussveranstaltung des Projektes, das das Bayerische Staatsministe-rium für Gesundheit und Pflege mit 300.000 Euro förderte, zogen die Verantwortlichen heute in Würzburg Bilanz.

Tagesaktuelle Ergebnisse weisen darauf hin, dass 45 Prozent der Bewohner von einer Blindheit oder Sehbehinderung betroffen sind: Fast jeder zehnte Bewohner ist blind (8 Prozent), jeder dritte sehbehindert (37 Prozent). Von Blindheit spricht man, wenn die Sehschärfe bei einem Menschen trotz Brille oder Kontaktlinse auf dem besseren Auge höchstens 0,02 (1/50 der normalen Sehschärfe am besseren Auge) beträgt, von einer Sehbehinderung bis zu einer Sehschärfe von 0,3. Der durchschnittliche Visus der untersuchten Bewohnerinnen und Bewohner lag bei rund 0,3. Es zeigte sich, dass die Senioren ihr Sehvermögen oft besser einschätzten, als es tatsächlich der Fall war.

Sehverlust kann oft durch korrekt angepasste Brille oder andere Hilfsmittel ausgeglichen werden

Eine richtige Brille, eine Leselampe und gute Kontraste – oftmals sind es Kleinigkeiten, die sehbehinderten Senioren ermöglichen, sich im Alltag wieder besser zu Recht zu finden. Laut der Studie konnte die Sehleistung bei jedem dritten Bewohner mit einer Sehbehinderung allein durch eine korrekt angepasste Brille deutlich verbessert werden. Mit einer besseren Ausleuch-tung konnten 57 Prozent der Bewohner wieder anstrengungsfreier lesen. Bei ihnen wurde erhöhter Lichtbedarf festgestellt.

Empfohlene Interventionsmaßnahmen wie eine neue Fern- oder Lesebrille, Lupen, Lesepulte oder Rehabilitationsmaßnahmen wurden von manchen Senioren abgelehnt, obwohl sie mit einem entsprechenden Hilfsmittel beim Sehtest deutlich besser abschnitten. Ungefähr 43 Prozent haben damit selbst keine Verbesserung feststellen können.

Letzter Besuch beim Augenarzt und Augenoptiker liegt oft lange zurück – kann mobile Versorgung die Lücke schließen?

Obwohl ab dem 50. Lebensjahr ein regelmäßiger Besuch beim Augenarzt empfohlen wird, sagten 45 Prozent der Bewohner in der Studie, dass sie länger als fünf Jahre nicht mehr beim Augenarzt waren. Auch der letzte Termin beim Augenoptiker liegt oft lange zurück. Mehr als die Hälfte der Bewohner war vor mehr als fünf Jahren das letzte Mal dort (58 Prozent).

„Im Bereich der augenärztlichen Versorgung und der Versorgung mit optischen Hilfsmitteln besteht ein deutlicher Optimierungsbedarf“, sagt Projektleiterin Sabine Kampmann von der Blindeninstitutsstiftung. Eine Möglichkeit, diese Lücke zu schließen, sieht die Orthoptistin in einem dauerhaften mobilen Screening, das dann bei Bedarf in eine weitere detaillierte Versorgung mündet – ähnlich wie sie während des Modellprojektes in den 20 teilnehmenden Caritas-Senioreneinrichtungen zusammen mit einer Optometristin (Master of Science für Augenoptik) und zwei Augenärztinnen der Universitäts-Augenklinik Würzburg durchgeführt worden sind

Die Augenärztinnen setzten für die Untersuchungen vor Ort mobile Spezialge-räte ein, mit denen auch im Bett liegende Bewohner augenärztlich gescreent werden konnten. Nach Überprüfen der Sehschärfe sowie Erheben des augenärztlichen Befundes wurde, sofern nötig, eine weitere fachärztliche Untersuchung bzw. Therapie oder eine Versorgung mit optischen Hilfsmitteln empfohlen.

Sensibilisierung für besondere Bedürfnisse sehbehinderter Senioren – auch mit Demenzerkrankung

Das Projekt „Sehen im Alter“ informierte nicht nur die betroffenen Bewohner und ihre Angehörigen über altersbedingte Augenerkrankungen und die Auswirkungen, auch das Pflegepersonal in den Senioreneinrichtungen wurde dafür sensibilisiert. In Schulungen erfuhren Pflegerinnen und Pfleger durch Simulationsbrillen selbst, wie schwierig alltägliche Dinge wie Essen, Laufen und Lesen mit Sehbehinderung oder Blindheit werden. Sie lernten Hilfsmittel kennen, die Senioren dabei helfen, mehr Selbstständigkeit zurückzuerlangen. Dazu zählt unter anderem auch der Langstock, mithilfe dessen sich die Pflegerinnen unter Anleitung einer Rehabilitationslehrerin für Orientierung und Mobilität durch einen Übungsparcours tasteten.

Auch für den Umgang mit sehbeeinträchtigten Bewohnern, die sich wegen einer Demenzerkrankung selbst nur eingeschränkt ausdrücken konnten, sprach das Team der Blindeninstitutsstiftung individuell Empfehlungen aus. Auf der Grundlage der Ergebnisse eines non-verbalen Sehtests ließen sich Schlüsse darüber ziehen, wie kognitive Übungen und Beschäftigungsthera-pien im Alltag an die noch vorhandene Sehfähigkeit angepasst werden sollten.

"Die Beteiligung am Projekt ‚Sehen im Alter‘ hat zu einer deutlichen Qualitäts-steigerung und Verbesserung in der Versorgung und Begleitung der Menschen geführt, die in unseren Einrichtungen leben. Unsere Mitarbeiterin-nen und Mitarbeiter sind nun zum Thema Sehen im Alter sensibilisiert und fortgebildet", zieht die Fachberaterin der Stationären Altenhilfe beim Caritas-verband für die Diözese Würzburg e. V. Sonja Schwab zufrieden Bilanz.
Leitfaden für Mitarbeiter in der stationären Altenpflege veröffentlicht

Um die Erfahrungen aus dem Modellprojekt und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen dauerhaft zu sichern und über die Grenzen

Unterfrankens hinauszutragen, entstand der Leitfaden „Sehen im Alter“. Die 60-seitige Broschüre zeigt die Besonderheiten des Sehens im Alter auf, gibt einen Überblick über mögliche Unterstützungsangebote für blinde und sehbehinderte Senioren im Alltag und spricht Empfehlungen aus, wie ihr Wohnumfeld möglichst barrierefrei gestaltet werden kann. Darüber hinaus enthält er zehn Qualitätskriterien, die eine sehgerechte Einrichtung der stationären Altenpflege auszeichnen.

„Wir freuen uns, wenn der Leitfaden über Unterfranken hinaus Impulse setzt, die Teilhabe von sehbehinderten und blinden Bewohnern in Senioreneinrich-tungen am gesellschaftlichen Leben zu verbessern“, so Dr. Marco Bambach, Vorstand der Blindeninstitutsstiftung. Der Leitfaden steht als PDF-Datei kostenfrei unter www.blindeninstitut.de/sehen-im-alter zum Download zur Verfügung.

Netzwerkarbeit in der Region weiter ausbauen

Auch wenn das Team um Projektleiterin Sabine Kampmann in den vergange-nen drei Jahren rund 600 Bewohnern durch die Untersuchung und Beratung in den Senioreneinrichtungen ganz konkrete Hilfe geben konnten, bleibt aus ihrer Sicht auch nach dem Projektabschluss noch viel zu tun: „Damit eine ähnlich gute fachliche Versorgung auch zukünftig gewährleistet ist, müssen sich die verschiedenen an der Augenuntersuchung beteiligten Berufsgruppen und die Verantwortlichen der Senioreneinrichtungen noch besser miteinander vernetzen. Neben dem engeren Kontakt zu Augenärzten, Orthoptistinnen und Optikern mit dem Spezialgebiet Low Vision ist auch eine bessere Vernetzung mit der Selbsthilfe für blinde und sehbehinderte Menschen wünschenswert.“

Das Blindeninstitut Würzburg ist mit seiner Low Vision- und Sehhilfen-Beratung eine Anlaufstelle für Senioren mit einer Sehbeeinträchtigung, mit dem Ziel, deren Selbstständigkeit und Mobilität zu erhalten. In Zusammenar-beit mit der Johann Wilhelm Klein-Akademie GmbH bietet die Blindeninstituts- stiftung zudem den Fortbildungskurs „Sehen im Alter“ für Pflegekräfte und therapeutisches Fachpersonal in der Altenpflege an. Auch eine individuelle Beratung von Senioreneinrichtungen hinsichtlich der im Leitfaden genannten Qualitätskriterien ist möglich.
Über das Projekt „Sehen im Alter“

Das Projekt „Sehen im Alter – Menschen mit Sehbeeinträchtigung in Einrichtungen für Senioren“ wurde im Juni 2012 von der Blindeninstitutsstif-tung in Kooperation mit dem Caritasverband für die Diözese Würzburg e. V. initiiert. Weitere Projektbeteiligte waren die Universitäts-Augenklinik Würzburg, der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund e. V. und die Johann Wilhelm Klein-Akademie GmbH. Das Projekt wurde aus Mitteln des Bayeri-schen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege sowie der Stiftung "Daheim im Heim" und der Edith-Mühlschlegel-Stiftung gefördert.

Der vollständige Datensatz wird in einer wissenschaftlichen Publikation von der Universitäts-Augenklinik Würzburg zu einem späteren Zeitpunkt veröffent-licht.



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