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Die blinde Marie geht ihren Weg auf dem Gymnasium in Rahden

Moderne Medien

Computer, Smartphones und andere moderne Medien sind der Schlüssel zu Informationen und Kommunikation. Auch für sehbehinderte Nutzer bieten sie viele Vorteile und eröffnen neue Möglichkeiten. Das Problem dabei: Man muss sie kennen und mit der modernen Technik umzugehen wissen. Abhängig vom Grad der Sehbehinderung ist neben marktüblichen Geräten und ihren Standard-Anwendungen oft noch spezielle Hard- oder Software erforderlich.

Computer und Tablet

Der Computer ist zu einem wichtigen Hilfsmittel für sehbehinderte Menschen in Freizeit und Beruf geworden. Bei einer leichteren Sehbehinderung reicht oft die Kombination aus einem großen Monitor (20- bis 30-Zoll), einer Tastatur mit größeren Beschriftungen, optimierten Bildschirmeinstellungen (Helligkeit, Kontrast und Reflexion) und den Vergrößerungsmöglichkeiten (Zoommodus, Lupe) für die Bedienbarkeit aus. Tablets sind durch einfache Vergrößerungen (Touchscreen) leicht zu bedienen, haben aber als Nachteil einen kleineren Bildschirm, so dass der lesbare Ausschnitt bei starken Vergrößerungen oft sehr klein ist.

Wenn trotz Vergrößerung (bei ergonomisch korrekter Sitzhaltung und entsprechendem Bildschirmabstand) kein flüssiges Entziffern der Bildschirmzeichen möglich ist, kommt eine Bildschirmvergrößerungs-Software zum Einsatz. Das sind leistungsfähige Programme, mit denen Text und Grafik individuell vergrößert werden können. Eine Kantenglättung erhöht die Qualität bei starker Vergrößerung.

Zusätzlich oder alternativ wird bei einer starken Sehbehinderung folgende spezielle Computersoftware eingesetzt:

Screenreader: spezielle Software, die Bildschirminformationen (z. B. Texte, Grafiken, grafische Symbole) interpretiert und „vorliest“ bzw. an Ausgabemedien wie Braillezeilen weitergibt.

Punktschriftdrucker: Brailledrucker stanzen die Blindenpunktschrift (Braille-Schrift) auf spezielles Papier.

Braillezeilen: Braillezeilen werden meist in Kombination mit einem Screenreader und einer Sprachausgabe zur Arbeit am Computer genutzt. Sie zeigen Bildschirminhalte in der Blindenschrift an.

Vorlesesysteme: Gedruckte Texte auf Papier werden durch einen Scanner erkannt und auf einem Bildschirm abgebildet. Eine Sprachausgabe (wie im Screenreader) kann das Gedruckte anschließend vorlesen.

Smartphone

Smartphones, Handys mit mobilem Internetzugang und Touchscreens, sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Auch für sehbehinderte Menschen können sie optimale Helfer im Alltag sein und klassische Hilfsmittel ergänzen und zum Teil ersetzen. Moderne Geräte bieten im handlichen Format eine Reihe von Funktionen, für die früher spezielle Geräte notwendig waren. Durch die integrierte Zoom-Funktion und verschiedene Einstellungsmöglichkeiten wie Farbe, Kontrast oder Größe der Symbole auf dem Display können Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung die mobilen Geräte an ihre Bedürfnisse anpassen.

Menschen mit einer hochgradigen Sehbehinderung nutzen in der Regel die Sprachsteuerung und Sprachausgabe als Bedienungshilfen. Viele Smartphones verfügen standardmäßig über eine Spracherkennungssoftware zum Diktieren von Texten oder zum Steuern der Geräte.

Neben vorinstallierten Funktionen (Telefon, mobiler Internetzugang, Kurznachrichten, Adressbuch und Terminplaner, Foto- bzw. Videokamera) gibt es inzwischen eine ganze Reihe von speziellen Apps (zusätzlich zu installierende Programme),die für sehbehinderte Menschen besonders interessant sind. Sie können zum Beispiel Sprachnachrichten versenden und empfangen, gedruckte Texte (z.B. E-Mails, Speisekarten, Fahrpläne etc.) per Lupen-App stark vergrößern oder in Sprachausgaben umwandelt, Farben oder Geldscheine erkennen, zum Ziel navigieren oder Informationen über die Umgebung ansagen.

Da die Auswahl und vor allem der Umgang mit dem Smartphone sowie die Anpassung an individuelle Bedürfnisse am Anfang oft nicht leicht fällt, sollten Sehbehinderte sich gut informieren.

Screenreader (z.B. Voice Over, TalkBack, Narrator)

Screenreader sind Vorlese-Programme, die akustisch durch das Menü führen und wiedergeben, was auf dem Display passiert – ob Batteriestatus oder den Namen eines Anrufers. Sie machen die Bedienung des Smartphone auch bei einer starken Sehbehinderung möglich. Einige Programme unterstützen Braillezeilen.

Spracherkennung “Digitale Assistenten”

Mithilfe digitaler Sprachassistenten (z.B. Siri, Google Now, Cortana, Alexa, je nach Gerät und Betriebssystem verfügbar) können Nutzer das Gerät und verschiedene Online-Anwendungen per Sprachbefehl steuern: SMS oder E-Mails diktieren, Einstellungen ändern, Termine im Kalender eintragen, die Uhrzeit ansagen oder sogar eine Pizza bestellen – vieles funktioniert schon per Spracherkennung.

Texterkennung

Mit einer Texterkennungs-App können sich Nutzer Abfotografiertes (z.B. Speisekarten oder Straßenschilder) vorlesen und Bilder beschreiben lassen.

Lupe

Alle mobilen Betriebssysteme bieten eine Zoomvergrößerung, mit der Sie Inhalte auf dem Display, Fotos und Text nach Belieben an jeder Stelle vergrößern können. Eine Lupen-App kann noch mehr – sie macht teilweise den klassischen elektronischen Lupen Konkurrenz, indem sie Gedrucktes stark vergrößert darstellt. Einige Apps bieten zusätzliche Features wie eine Farbumkehr.

Navigation (z.B. BlindSquare)

Navigationsanwendungen erklären und finden nicht nur den Weg, sie informieren auch über die Umgebung (z.B. Straßenüberquerungen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten).

E-Book Reader

E-Reader-Apps können Romane und Sachbücher darstellen, vergrößern und zum Teil auch über eine Vorlesefunktion wiedergeben.

INCOBS

INCOBS, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert, informiert über Technologien wie Smartphones, Tablets und Apps sowie über Hilfsmittel-Neuerungen für Sehbehinderte. Welche Lupen-App, Vorlesefunktion oder Farberkennungssystem, Terminplaner und Navigationssystem individuell geeignet sind und vieles mehr ist unter www.incobs.de zu finden.